Absolventen halten zusammen: Wintersemester 1962 beim Berggang 2018

Peter Reinecke machte seinen Abschluss als staatlich geprüfter Betriebswirt im Herbst 1964 - zu dem Zeitpunkt war die DAV gerade mal vier Jahre alt und noch an der Schlachte untergebracht. Wie echter Zusammenhalt unter Ehemaligen aussehen kann erzählt er im Reisebericht:


September 1964: Wir kämpften uns in den Räumen "Hinter der Mauer" an der Weser durch die DAV-Abschlussprüfungen. Dann im Oktober, nach Zeugnisübergabe in der Handelskammer: die letzten Züge durch unsere Kneipen im Ostertor und noch einmal Treffen im Café Jacobs, Ratskeller, Spitzen Giebel, Subtropia, Studentbund usw.

Ja, wir beschlossen, uns gelegentlich einmal wieder zu treffen: in Bremen, auf den Messen in Hannover oder Frankfurt und bei den Veranstaltungen des Verein der Ehemaligen der DAV (damals noch VDE, heute VFA) in Bremen. Im September 2018 ist das erneut geschehen, in Garmisch-Partenkirchen. Mit unseren Damen waren wir neunzehn Teilnehmer und haben dort ein durch unsere Studienkollegen Rainer Lücker und Peter Ziegler sehr gut organisiertes "alpines" Treffen gehabt.

Vereint seit über fünfzig Jahren: das DAV-Wintersemester 1962


Wenn Flachländer nach Bayern kommen merken sie rasch, dass Wanderungen in den Bergen doch anstrengender sind als durch die Lüneburger Heide.

Nach Akklimatisierung auf gut 800 Metern Höhe ging es dann am Tag eins durch die Partnachklamm (Oberbayern). Eine tolle Wanderung auf engen Felswegen und unter teilweise recht niedrigen Felsgewölben. Und unten im Uraltal, in gewaltigen Wassermassen, die Partnach, die sich durch enge Felswände drängt. Wohl dem, der Walking-Stöcke und gutes Schuhwerk hatte!


Der Aufstieg zur Kaiserschmarrn-Alm forderte die letzten Kräfte, die aber durch besagte Mehlspeise und kräftige bayerische Kost wieder aufgebaut werden konnten. Am späten Nachmittag zur Auflockerung der Muskulatur ein Spaziergang durch Garmisch. Vorbei an den Hausfronten mit Lüftlmalerei und dann Besuch einer kernigen bayerischen Beiz mit Musi und Schuhplattler.
Fesch war's!

Auf dem Programm für Tag zwei stand ursprünglich eine Seilbahnfahrt auf die Zugspitze, die leider durch ein technisches Missgeschick der Bahntechniker ausfallen musste. Aber von unseren beiden Organisatoren war schnell ein Ersatzvorschlag gefunden: Kabinenseilfahrt auf das Kreuzeck mit Bergwanderung zur Hochalm, eine echte alpine Herausforderung für Küsten- und Flachlandbewohner! Teamgeist war gefragt, damit alle über Geröll und Wiesen, teilweise im Quergang, zur Alm gelangten. Das war Natur pur, vorbei an Felswänden und -brocken. "Jo mei, wo sich der 'Keni Ludwig' hat Schlösschen bauen lassen!" Und die armen Bauleute von damals mussten ohne geländegängigen LKW das Material hinaufbringen.


Unser Quartier, der Föhrenhof in Farchant, bot uns neben gutem Nachtlager ein gemütliches Frühstück und nachmittags ein Kuchenbüffet inklusive, auch mit einigen wechselnden Sonderhäppchen. Bei diesen Gelegenheiten wurde auch in DAV-Erinnerungen gekramt: Kolloquien bei den juristischen Doktoren Dittmar, Kuhlmann, Betriebswirtschaft bei Dr. Winkel (der "berühmte" Lohmann-Ruchti-Effekt), Volks- und Außenwirtschaftslehre bei Dr. Birnstiel (besonders auch die Samstagsvorlesungen in Wirtschaftsgeschichte!) und beim Jungdozenten Dr. Stabenau (der mit der Fliege und nach dem heute die Studentenbibliothek der DAV benannt ist). Und dann auch die speziellen Vorkommnisse in unserem Studentenleben - unter ausmalenden Berichten zu einzelnen Kommilitonen, von denen leider etliche nicht mehr unter uns weilen.

Bei Sonnenschein gekommen, bei Sonnenschein gegangen. Schöne, fröhliche Tage liegen hinter uns. Neue Beschlusslage: ein weiteres Treffen soll folgen, in zwei bis drei Jahren, da die absolvierten Lebensjahre vorn schon eine kräftige Sieben aufweisen. Friends, see you soon …


Achtung: Wer Kontakt zu Peter Reinecke, zum Abschlussjahrgang '64 oder anderen Jahrgängen von damals aufnehmen möchte wendet sich gerne an Cornelea Haasner vom VFA, unserem Verein der Förderer und Absolventen!


Anm.: Originalversion dieses Textes erschien erstmals im Dez. 2018 (Semesterzeitschrift Ausgabe 110)