Logistikinvestitionen binden häufig erhebliche finanzielle Mittel - sie sollten deshalb gründlich geplant und bewertet werden. Dr. Carsten Prenzler, Professor für BWL an der Hochschule Neu-Ulm, erläutert im Seminar "Bewertung von Logistikinvestitionen", wie Unternehmen diese Investitionen planen und dabei Kosten, Kapital und Risiken im Blick behalten können
Herr Prenzler, was bedeutet es für ein Unternehmen, verantwortungsvoll zu investieren?
Prenzler: Für das Management und die Kapitalgeber bedeutet eine Investition die langfristige Bindung von Kapitalmitteln, und die muss mit der Strategie des Unternehmens übereinstimmen. Es ist wichtig, nicht nur die monetäre Bewertung zu berücksichtigen, sondern auch die Ziele in puncto Kundenbedeutung, Mitarbeiter, Qualität und Nachhaltigkeit in diesen Prozess einzubeziehen, beispielsweise über ein Scoring-Modell.
"Verantwortungsvoll" heißt auch, dass ich gerade in der Logistik schaue, ob eine Investition ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig ist. Sprich: In welchen Fuhrpark investiere ich, wie baue ich mein Lager auf, um beides nachhaltig zu gestalten?
Aber auch: Was bedeutet Automatisierung für meine Mitarbeiter, und wie nutze ich deren Qualifikationen?
Welche Werkzeuge zur Investitionsrechnung empfehlen Sie?
Bei der Kapitalwertmethode rechnet man langfristig und anhand von Cashflows - das ist für weitereichende Investitionsentscheidungen sehr zu empfehlen, immer in Kombination mit Amortisationsdauern. Man sollte sie mit Szenarien und Risikoanalysen kombinieren.
Im Seminar, das ich für die BVL Seminare dazu gebe, spreche ich zusätzlich Realoptionen an: Diese berücksichtigen zum Beispiel, ob ein Lager flexibel erweiterbar ist. Das sollte man ebenfalls einbeziehen, denn wenn ich ein großes Lager aufbaue oder mir eine Flotte anschaffe, können im Laufe der Zeit Risiken und Chancen auftauchen: Der Absatzmarkt kann sich ändern, das Sortiment oder das Artikelspektrum - und dann ist das Lager vielleicht zu klein oder zu groß.
Was ist wichtig in puncto Controlling?
Ich halte es für entscheidend, eine Investitionsbewertung nachzuhalten und regelmäßig eine Nachbetrachtung durchzuführen. Das wird in der Praxis noch zu wenig gemacht.
Weiterhin sollte man die Investitionsbewertung in ein laufendes monatliches Controlling des Projekts überführen und wesentliche Eckdaten wie die Annahmen über Auslastung sowie die Entwicklung von Personalkosten, Automatisierung oder IT tracken, in die laufenden Berichterstattungen überführen und mit Kennzahlen versehen.
Am Ende kann idealerweise eine Investitionsnachbetrachtung stehen, um Anpassungen vorzunehmen oder für neue Projekte zu lernen.
Und wo besteht in der Praxis Nachholbedarf?
Unternehmen nutzen vielfach noch durchschnittliche Kostenvergleiche auf Basis von einem Jahr. Dabei vergessen sie, dass Geld auch einen Zeitwert hat und sich eventuell Aus- oder Einzahlungen verändern. Diese eher fortschreitende Methode ist für größere Investitionsentscheidungen nicht ausreichend, hier ist die Kapitalwertmethode zu bevorzugen.
Man sollte mit den Kapitalgebern und Mitarbeitern im Gespräch bleiben zu den Mindestverzinsungsanforderungen und strategischen Zielen: So eine Investitionsbewertung ist auch immer ein Anlass, über die Zukunft des Unternehmens zu sprechen - und das muss man eben auch einfordern.
Save the date:
Das Seminar "Bewertung von Logistikinvestitionen - kalkulieren, priorisieren, Risiken analysieren" findet 2020 und 2021 an den folgenden Terminen statt:
- 29. und 30. Oktober 2020 (Osnabrück)
- 10. und 11. Juni 2021 (Würzburg)
- 02. und 03. Dezember 2021 (Göttingen)
Quelle: BVL Magazin, Ausgabe 02/2020

