Auch die Türen der DAV fielen in den letzten Monaten dem landesweiten Lockdown zum Opfer. Für einige Studierende war das Homeoffice ohne Pendelei nach Bremen eine willkommene Abwechslung – anderen fiel nach einer Weile ein wenig die akademische Decke auf den Kopf
Wie lief die Vorbereitung für das Onlineangebot der Unterrichtseinheiten ab?
Carstens: Meine Vorbereitungen waren recht ausführlich und zeitlich noch mehr getaktet. Ich musste alle Dateien umwandeln, damit sie besser hochgeladen werden können. Das alles möglichst zwei bis drei Tage vor der Unterrichtseinheit, damit die Teilnehmer notwendige Vorlagen noch ausdrucken konnten.
Gloger: Intern hatten wir Anfang Februar eine Schulung in Microsoft Teams, also unabhängig von der Corona-Krise. Kurze Zeit später hieß es dann: „Learning by Doing“ in Eigenregie, im Austausch mit Kollegen.
Peterson: Man kann sich ja in der Microsoft-Welt relativ schnell alle notwendigen Basis-Funktionalitäten erarbeiten. Alle Dateien mussten umgestellt werden, als begeisterter Nutzer von Whiteboard und Tafel war ich hier anfangs eingeschränkt. Dank OneNote und Einsatz von Tablet konnte dem abgeholfen werden.
| Gerold Gloger, Britta Carstens, Sven Gunnar Peterson (v. l.) |
Was waren die Schwierigkeiten? War die Umsetzung/Darstellung der Inhalte immer gut handhabbar?
Peterson: Die Datenkapazität im Homeoffice schränkt natürlich teilweise auch die Kapazitäten ein.Carstens: Technisch lief es besser als gedacht. Dennoch war es super, dass unsere Studierenden auch mal nachsichtig waren. Zum Teil habe ich sehr gute Tipps von ihnen bekommen, um Teams noch gezielter nutzen zu können. Die inhaltliche Umsetzung war manchmal etwas hakelig - Rechnungswesen ist für diese Art des Unterrichts nicht vollständig geeignet.
Gloger: Die Kommunikation mit Studenten ist generell schwieriger, insbesondere durch fehlenden Blickkontakt. Headsets sind sinnvoll, sonst gibt es eventuell Rückkopplungen. Bei freigegebenem Bildschirm funktionieren bestimmte Programme leider nicht immer fehlerfrei, wie Excel oder Microsoft Access.
Welches Feedback gab es von den Studierenden?
Gloger: Auf regelmäßiges Nachfragen meinerseits hin generell positive Rückmeldungen. Peterson: Nicht jede Vorlesung eignet sich als Online-Vorlesung. Positiv ist, dass sich wirklich alle DAV-Dozenten kurzfristig und sehr engagiert mit der Technik auseinandergesetzt haben.
Carstens: Die Studierenden sind doch sehr zufrieden. Einige können sich daheim besser konzentrieren, anderen dagegen fehlt der direkte Kontakt. Grundsätzlich haben es alle sehr gut aufgenommen - sicherlich aber auch mit dem Gedanken, dass es nicht für immer ist. Wir freuen uns alle auf ein Wiedersehen.
Wenn der Pizzabote klingelt …
Carstens: Die Stimmung war überwiegend produktiv und immer humorvoll. Emojis und GIFs in Microsoft Teams tun ihr übriges - mancher Unterrichts-Chat ist schon äußerst amüsant zu lesen!
Gloger: Ja, soweit erkennbar war die Stimmung durchaus positiv. Ich hatte subjektiv den Eindruck, dass die Studenten nicht so stark abgelenkt sind. Die physische Teilnahme ist gemäß der Eintragungen in den jeweiligen Team-Chats gut. Aktiv am Unterricht beteiligen tun sich allerdings immer dieselben Personen – das ist im Präsenzunterricht aber auch oft nicht wesentlich anders.
Peterson: Stimmt. Es sind immer die gleichen zwei bis fünf Leute, die aktiv sind - die anderen sind "in der Vorlesung eingeloggt". Dadurch: viele Monologe, wenig Interaktion, denn vielfach wird die Kamera ausgelassen. So kommt natürlich keine wirkliche Diskussion in Gang.Gloger: Positiv ist natürlich: Die Fahrten zum Campus fallen weg, bei mir immerhin 35 km täglich. Negativ: Der Onlineunterricht strengt mich ganz persönlich mehr an, was die Konzentration betrifft.
Carstens: Ein großer Vorteil ist sicherlich, dass in den letzten vier Monaten in sehr kurzer Zeit sehr, sehr produktiv gearbeitet wurde. Uns fehlt aber wahrlich die direkte Kommunikation mit den Studierenden. Ich möchte auf fragende Gesichter eingehen können; Teilnehmer ansprechen können, die sich vielleicht auch nicht trauen eine Frage noch einmal zu stellen.
Teilnehmer sollten wirklich die Videofunktion für sich nutzen, auch wenn wir uns alle vielleicht ungern "filmen lassen". Trotz alledem ist es auch lustig gewesen, gerade wenn kleine „Pannen“ passieren: Mikro ist aus aber man redet weiter, die Eltern bringen einen Kaffee ins Bild oder Pizza- und DHL-Boten klingeln ...
In der vorlesungsfreien Zeit werden die Erfahrungen aus den ersten Wochen zusammengetragen und diskutiert, um evtl. notwendige Anpassungen für den zweiten Teil des Sommer- und das nahende Wintersemester vorzunehmen

